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     > home / Die Grossregion / Historisches 01-12-2008 - 20:05 (GMT+1)
Die Grossregion
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Manch einer stellt sich in Anbetracht der Zusammensetzung der Großregion die Frage, ob diese Verbindung, die so unterschiedliche Einheiten wie das Saarland, Lothringen, Luxemburg, Rheinland-Pfalz und die Wallonische Region umfasst, vielleicht doch willkürlichen Charaktar hat.
Anhand der vorliegenden Überlegungen soll gezeigt werden, dass diese verschiedenen Einheiten geschichtlich gesehen schon seit jeher in enger Verbindung stehen; es soll jedoch auch darauf hingewiesen werden, dass die Verbindung, um die es sich handelt, in keinem Fall genau mit den heutigen, am Projekt beteiligten Verwaltungsgebieten übereinstimmunen kann.

Tatsächlich wurden die Grenzen dieser Gebiete erst im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts endgültig festgelegt. (Kartographie)

Folglich muss bei meinen Ausführungen der relative Zusammenhang zwischen den heutigen Verwaltungseinheiten und den früheren Einheiten (Belgica Romania, Bistum Lüttich, Lotharingien usw.) beachtet werden, deren Grenzen teilweise über die der aktuellen Verwaltungseinheiten hinausgehen oder manchmal nicht ganz mit ihnen übereinstimmen.

Um diese Einleitung abzuschließen, können wir der kategorischen Erklärung der Domherren des Domkapitels von Lüttich im 16. Jahrhundert zustimmen, welche lautet: "Gallien zählt uns zu den Bewohnern seiner abgelegensten Gebiete, Germanien zu seinen nächsten Angehörigen.

Was uns betrifft, so sind wir weder das eine noch das andere, sondern beides zugleich." Diese Erklärung erscheint mir im Hinblick auf unsere heutigen Überlegungen besonders zutreffend.


      Die Vorgeschichte
       | Die gallische und römische Epoche Das Mittelalter
       

      Die Vorgeschichte 1
      Obwohl es in Anbetracht der Größe der betreffenden Gebiete für unsere Untersuchung nicht von besonderer Bedeutung ist, gab es nördlich des 50. Breitengrades deutliche Spuren der Alt- und Mittelsteinzeit, und zwar in einem Gebiet, das vom Hennegau und der Provinz Lüttich bis an den Rhein reichte (Spiennes, Spy, Furfooz, Neandertal).

      Die gallische und römische Epoche 2
      Die Gebiete der "Großregion" entstehen in der vorrömischen Zeit und werden von zwei gallischen Volksstämmen keltischen Ursprungs bewohnt, die oft als Völker des "Gallia Belgica" angesehen werden, den Mediomatrikern (Metz) und den Treverern (Trier). Das Gebiet der Mediomatriker entsprach dem heutigen Departement Moselle und einem Teil des Saarlandes. Das Gebiet der Treverer erstreckte sich regional auf die heutige Provinz Luxemburg, das südöstliche Belgien, das Großherzogtum Luxemburg, das Bundesland Rheinland-Pfalz mit den Regionen Trier und Koblenz, und auf einen Teil des Gebietes von Birkenfeld und des westlichen Saarlandes.

      Nach heftigen, gewaltsamen Auseinandersetzungen mit Cäsar, die mit ihrer endgültigen Unterwerfung enden, werden die gallischen Volksstämme der Mediomatriker und der Treverer verwaltungsmäßig in die römischen Provinzen eingegliedert, die an den Limes von Germanien grenzen, das heißt Belgica I, Germania I und Germania II. Im Hinblick auf das Territorium sind wir damit genau bei dem uns interessierenden Thema angelangt. Tatsächlich scheinen die Gebiete der Großregion in der vorrömischen und römischen Zeit eine gemeinsame Bestimmung zu haben. Während der Römerzeit verläuft die Entwicklung völlig gleich. Die betreffenden Gebiete erscheinen wie treue Verbündete, wie ein solider Schutz gegenüber den unbesiegten Germanen. Sie weisen sowohl in kultureller, wirtschaftlicher, gesellschaftlicher als auch militärischer Hinsicht eine gemeinsame Entwicklung auf. Ohne näher auf Einzelheiten eingehen zu wollen, soll doch auf die gelungene kulturelle Verschmelzung der römischen Einflüsse und lokaler Traditionen verwiesen werden, auf die Bedeutung des Steinschleifens, der Juwelierarbeiten sowie der privaten und öffentlichen Bauwerke mit ihren Mosaikbildern. In wirtschaftlicher Hinsicht wird durch die zahlreichen Bedürfnisse der auf dem Limes stationierten römischen Truppen eine rege Handelstätigkeit und eine umfangreiche lokale Produktion gefördert, ebenso die Errichtung von Villen. In gesellschaflicher Hinsicht setzt in der gesamten Region eine allgemeine Romanisierung ein. Römische religiöse Bräuche (es entstehen zahlreiche Kultstätten des Mithras) werden genauso übernommen wie römische Institutionen und Sitten.

      Wir wollen uns in diesem Rahmen darauf beschränken, an die bemerkenswerte Ausstellung zu erinnern, die im Oktober 1983 unter dem Titel "Die römische Zivilisation von der Mosel bis zur Saar" im Musée du Luxembourg in Paris stattfand. Besagte Ausstellung - darauf sei noch einmal hingewiesen - stand unter der Schirmherrschaft der Regionalkommission Lothiringen, Luxemburg, Rheinland-Pfalz und Saarland. Diese Ausstellung sollte bereits die gemeinsame Prägung durch die römische Zivilisation in der ersten Etappe der Einstehung der "Großregion" aufzeigen. Es ist sicherlich sehr zu bedauern, dass Wallonien und die Französische Gemeinschaft Belgiens damals nicht beteiligt waren. Ihre Beteilignng hätte eine Vervollständigung und Bereicherung der Ausstellung ermöglicht. Denken wir nur an die außergewöhnlichen steinernen Zeugnisse des Museums von Arlon, die Mähmaschine der Treverer von Buzenol, die archäologischen Zeugnisse des Museums von Namur oder die Glaswaren des Musée du Cinquantenaire. Ihre Beteiligung hätte auch deutlich gezeigt, dass die "Großregion" keineswegs willkürlichen Charakter hat, was in der Realität deutlich sichtbar wird.

      Das Mittelalter3
      Von der Epoche der Karolinger bis hin zu den heutigen Zeiten ist die Großregion von einer gemeinsamen Bestimmung geprägt, auch wenn seine Grenzen, daran sei nochmals erinnert, nicht genau den Grenzen der mittelalter1ichen Einheiten entsprechen.

      1) Die Karolinger
      Das Aufblühen der Region ist einerseits auf das bedeutende Phänomen der Evangelisierung der Region durch Saint Lambert zurückzuführen. Die Verehrung von Saint Lambert findet nach seiner Ermordung weite Verbreitung in den Gebieten um Maas, Mosel und Rhein. Sie bildet die Grundlage für die Errichtung von Abteien und Kirchen und - allgemeiner ausgedrückt - für das Entstehen religiöser Strukturen um das spätere Erzbischoftum Köln herum. Andererseits war die Region mit Jupille, Herstal, Lüttich, Aachen und Köln bei den Karolingern sehr beliebt und wurde vor allem von den Pippiniden besonders geschätzt. Missionarische Bemühungen konzentrieren sich vor allem auf das Rheingebiet, das als zentraler Punkt des Ostteils des Reiches gilt.

      2) Nach dem Vertrag von Verdun
      Der Vertrag von Verdun von 843 teilt das Karolingerreich in drei Teile. Lothar, der älteste Sohn von Louis de Pieux, erhält den Kaisertitel und ein Gebiet, das von Friesland bis Rom reicht. Der Norden dieses Gebietes, Lotharingien genannt, umfaßt mit Lothringen, dem Saarland, Rheinland-Pfalz, Luxemburg und Wallonien wiederum weitgehend die Gebiete, die unsere "Großregion" ausmachen.

      Die Streitigkeiten zwischen den letzten Karolingern, die ständigen Teilungen und das Entstehen neuer Dynastien haben die Bildung des Herzogtums Lotharingien zur Folge, das Henri, der Vogelfänger, im Jahr 925 an die fünf deutschen Herzogtümer angliedert. Dieses Herzogtum Lotharingien stimmt wiederum weitgehend mit den Gebieten unserer "Großregion" überein und gehört bis zum Ende des 15. Jahrhunderts zum Heiligen Römischen Reich deutscher Nation.

      Wie schon in der römischen Zeit zeigt sich das gemeinsarne Schicksal dieser Gebiete in bedeutenden wirtschaftlichen und kulturellen Verbindungen. Das Rheinland und das Land der Maas waren Zentren außergewöhnlicher kultureller Aktivitäten, von denen berühmte Namen zeugen, wie Rathier de Vérone, Erzbischof von Lüttich, mit seiner klassischen, kommentierten Bibliothek, oder Renier de Huy, Schöpfer der Taufsteine von Saint Barthélémy von Lüttich, wie Rupert de Deutz mit seinem gewaltigen mystischen, exegetischen Werk, von dem sich zahlreiche Künstler an Mosel und Saar in ihrer Arbeit inspirieren ließen. Die Abteien an Mosel und Rhein werden von Lütticher Mönchen geleitet, im Domkapitel von Lüttich werden Aristokraten aus dem Rheingebiet empfangen, Domherren von Lüttich gehören zum Klerus von Köln. Auch in wirtschaftlicher Hinsicht gibt es ständige Austauschbeziehungen. Zwischen dem romanischen und dem germanischen Gebiet bestehen Zufahrtswege, die sowohl für die Metallurgie als auch für den Weinbau benutzt werden. Wie man sieht, ist das Thema unerschöpflich.
      Die hier vorgebrachten Überlegungen zeigen deutlich, dass die heutigen Verwaltungsgrenzen im Mittelalter und in der römischen Zeit keine Bedeutung hatten. Die Bestandteile der "Großregion" scheinen unlösbar miteinander verbunden und ergänzen sich gegenseitig, und die Forderung nach der "Großregion" fügt sich in eine alte Tradition voller Dynamik ein.
      Somit hat die "Großregion" ihre volle Berechtigung.

      (André ASKENASI)


      Diese Seite wurde aktualisiert am 20-11-2008

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