Erwerbsquote
Im Jahr 2004 beläuft sich die Gesamtzahl der Erwerbspersonen (Erwerbstätige und Arbeitslose) in der Großregion auf knapp 5 Millionen – das entspricht 2,7% aller Erwerbspersonen in der Europäischen Union (EU 15). Der Frauenanteil liegt mit rund 43% unter dem entsprechenden Vergleichswert (44,3%). Im Vergleich zu 2001 ist die Gesamtzahl der Erwerbspersonen in der Großregion nach den Daten von Eurostat um rund 2% gesunken, was jedoch hauptsächlich einem methodisch bedingten Rückgang bei der Zahl der Erwerbspersonen in Lothringen geschuldet ist
Damit weist die Großregion eine gegenüber dem Mittel der europäischen Mitgliedsstaaten (EU 15: 70,4%) unterdurchschnittliche Erwerbsquote auf. Im Jahr 2000 betrug der Abstand der Großregion 2,3 Prozentpunkte, 2004 beträgt er etwa 3 Prozentpunkte. Im Vergleich der Regionen erreicht einzig Rheinland-Pfalz eine Quote im europäischen Durchschnitt.




Arbeitslosenquote
9,2% der Erwerbsbevölkerung in der Großregion sind 2004 arbeitslos
Seit 2001 verlief die wirtschaftliche Entwicklung in allen Teilräumen der Großregion ungünstig. Die Verschlechterung der Arbeitsmarktlage für die Gesamtheit der Erwerbspersonen schlägt sich in einem Anstieg der Arbeitslosenquote nieder. Auf Grundlage der Schätzungen von Eurostat liegt die Arbeitslosenquote insgesamt im Jahr 2004 bei 9,2% der Erwerbspersonen, was einem Plus von 0,9 Prozentpunkten entspricht. Die Großregion liegt damit im Durchschnitt der 25 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union (EU 25: 9,2%), ist aber stärker von Arbeitslosigkeit betroffen als die Gesamtheit der Länder der Europäischen Union vor der Erweiterung am 1. Mai 2004 (EU 15: 8,2%).
Der Anstieg der Arbeitslosenquote ist in allen Teilräumen zu beobachten, in Lothringen und der Wallonie verlief die Entwicklung dabei am ungünstigsten – sowohl insgesamt wie in der Differenzierung nach Geschlecht, obwohl beide Regionen bereits die höchsten Quoten aufwiesen.
Zwar bewegt sich die Arbeitslosenquote in Luxemburg im Jahr 2004 unverändert bei 4,8% der aktiven Bevölkerung, dennoch ist ein stetiger Zuwachs24 feststellbar. In Lothringen ist die Arbeitslosenquote auch 2004 weiter angestiegen und liegt 2005 im nationalen Durchschnitt von Frankreich insgesamt. Damit endet der seit 1989 andauernde Zustand einer systematisch unter dem nationalen Niveau liegenden durchschnittlichen Arbeitslosenquote Lothringens. Somit scheint sich die Arbeitslosenquote in Lothringen auf Dauer auf einem im Vergleich zur nationalen Ebene höheren Niveau einzupendeln. Ähnlich wie in der Mehrzahl der übrigen Teilräume der Großregion ist der Anstieg der Arbeitslosenquote in Lothringen auf die rückläufige Zahl an Beschäftigten zurückzuführen.
Bis in die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts galt die Industrie in der Wallonie als Motor der belgischen Wirtschaft. Die beträchtlichen Umstrukturierungen während der 70er und 80er Jahre konnte die Region jedoch bis heute noch nicht überwinden. Dies kommt in einer hohen Arbeitslosenquote zum Ausdruck, von der insbesondere Jugendliche stark betroffen sind.
.JPG)



Beschäftigungsquote
Große Unterschiede im Beschäftigungsniveau der einzelnen Regionen
Nach der EU-Arbeitskräfteerhebung weist das Beschäftigungsniveau in den einzelnen Teilregionen der Großregion weiterhin deutliche Unterschiede auf. So reicht die Gesamtbeschäftigungsquote von 55% in der Wallonie über 61,9% im Saarland bis hin zu 64,9% in Rheinland-Pfalz. Im Rahmen gewisser Schwankungen35 bleiben die Beschäftigungsraten in allen Regionen im Vergleich zum Vorjahr weitgehend unverändert. Die Großregion insgesamt als auch die einzelnen Teilregionen sind von den Zielvorgaben von Lissabon noch weit entfernt.36 Dies gilt ebenso für die durchschnittliche Beschäftigungsquote der EU 15 (64,5%). Im Vergleich hierzu liegt allerdings einzig Rheinland-Pfalz im Schnitt der europäischen Mitgliedsstaaten (EU 15), während die Großregion insgesamt sowie alle anderen Teilregionen hier noch einen Rückstand aufweisen.
Auch Luxemburg liegt mit einer Beschäftigungsquote von rund 62% noch deutlich unter der Lissabonner Zielmarke von 70% im Jahr 2010. Selbst wenn es gelänge, die Ziele der europäischen Beschäftigungsstrategie durch eine stärkere Mobilisierung der Beschäftigung Älterer und von Frauen etc. zu erreichen, würden diese zusätzlichen Arbeitskräfte nach einer statistischen Projektion37 des Statistischen Amtes ins Luxemburg (Statec) nicht ausreichen, um den Arbeitskräftebedarf der prosperierenden luxemburgischen Volkswirtschaft zu decken.
Der Beschäftigungsbedarf in Luxemburg wird somit ohne Grenzgänger und weitere Zuwanderung nicht zu bewältigen sein.





Grenzgängerbeschäftigung
Im Gebiet der Großregion pendeln mehr als 167.000 Männer und Frauen von ihrem Wohnort über die Grenze zu ihrem Arbeitsort in eine benachbarte Region ein.53 Seit rund 20 Jahren wächst die grenzüberschreitende Arbeitskräftemobilität in der Großregion kontinuierlich an, womit dieser europäische Kernraum heute ein einzigartiges Sammelbecken an Erfahrungen mit grenzüberschreitender Arbeitnehmermobilität bildet. Als das Gebiet in Europa mit der größten Zahl an Grenzgängern54 übernimmt er eine Vorreiterrolle, die es weiter auszubauen gilt. Beschränkt man sich auf das Gebiet der EU 15, entfallen allein über 40% der europäischen Grenzgängerströme auf die Großregion.
Ausgehend von den verfügbaren Information für die Teilräume der Großregion können folgende Feststellungen zum grenzüberschreitenden Arbeitsmarkt getroffen werden:
• Das Anwachsen der Grenzgängerströme hält in der Großregion unvermindert an
Während die Interregionale Arbeitsmaktbeobachtungsstelle in ihrer jüngsten Studie insgesamt 161.000 Einpendler im Gebiet der Großregion zählte, sind es aktuell 167.000 Grenzgänger. Diese Steigerung der grenzüberschreitenden Arbeitnehmermobilität ist Ausdruck wirtschaftlicher und sozialer Entwicklungen in den Teilregionen und verleiht der Großregion ein ausgeprägtes europäisches Profil.
• Auch weiterhin bleibt der grenzüberschreitende Arbeitsmarkt von zwei Hauptströmen geprägt
Zum einen der kontinuierlich anwachsende Strom von Arbeitnehmern aus der gesamten Großregion nach Luxemburg und der rückläufige Pendlerstrom aus Frankreich ins Saarland.
• Die Entwicklung der Pendlerbewegungen stärken die Rolle Luxemburgs als Arbeitgeber Nummer eins in der Großregion:
Mit 118.385 Grenzgängern empfängt das Großherzogtum 70% aller Einpendler in der Großregion. Sie bilden 40% der Gesamtbeschäftigung und profitierten in den vergangenen Jahren am stärksten von den neu geschaffenen Arbeitsplätzen.
• Mehr Saarländer und Rheinland-Pfälzer arbeiten in Luxemburg:
Der Grenzgängerstrom aus Deutschland wächst seit einigen Jahren rapide an. Attraktive Arbeitsplätze im tertiären Sektor und der stotternde Konjunkturmotor in Deutschland führten bei den deutschen Grenzgängern zum höchsten Anstieg der Einpendlerzahlen nach Luxemburg.
• Lothringen baut Rolle als Hauptentsenderegion weiter aus:
Mit 84.194 Auspendlern stellt die französische Region 57% aller Auspendler in der Großregion. Lothringer arbeiten überwiegend in Luxemburg und in Deutschland und sind stark im Verarbeitenden Gewerbe vertreten. Vorausberechnungen zufolge wird das Grenzgängerphänomen in Lothringen auch weiterhin nicht an Bedeutung verlieren: Im Jahr 2015 wird mit ca. 86.000 Auspendlern nach Luxemburg gerechnet.
• Franzosen weniger im Saarland und in Rheinland-Pfalz beschäftigt:
Seit 2001 entwickelt sich die Zahl der im Saarland und in Rheinland-Pfalz beschäftigten Grenzgänger aus Frankreich rückläufig. Verantwortlich hierfür ist die zunehmende Alterung dieser Grenzgängerströme und damit das Ausscheiden aus dem Erwerbsleben, die wachsende Präferenz des Arbeitsorts Luxemburg bei den nachrückenden jungen Grenzgängern, eine regressive Entwicklung im Bereich der Sprachkompetenz sowie die angespannte Arbeitsmarktlage in den deutschen Bundesländern.
• Atypisches Grenzgängerwesen entwickelt sich fort:
Die Großregion bildet nicht nur einen grenzüberschreitenden Beschäftigungsraum, sie wird auch als europäischer Lebensraum angenommen und mit Leben erfüllt. So wächst zum Beispiel die Zahl der nach Luxemburg einpendelnden Arbeitnehmer luxemburgischer Nationalität, der im Saarland beschäftigten Deutschen mit Wohnsitz im benachbarten Lothringen und der in der Deutschsprachigen Gemeinschaft ansässigen Deutschen.


|