Europa gestalten, mit Handwerk und KMU!

Im Rahmen seines 30. Jubiläums organisierte der Interregionale Rat der Handwerkskammern der Großregion (IRH) am 16. Mai die Konferenz „Europa gestalten, mit Handwerk und KMU!“.

Um über die Erwartungen der kleinen und mittleren Handwerksbetriebe an ein Europa der Zukunft zu debattieren, trafen sich Vertreter aus Unternehmen und Handwerkskammern und aus nationaler und europäischer Politik am Donnerstag in der Handwerkskammer in Luxemburg.

Thematische Einblicke gaben Maarit NYMAN, aus der Generaldirektion Binnenmarkt, Industrie, Unternehmertum und KMU der Europäischen Kommission, Véronique WILLEMS, Generalsekretärin der SMEunited, Lex DELLES, Minister für Mittelstand in Luxemburg, Liliane LIND, Mitglied des Vorstandes des CRMA Grand Est, und Guy KECKHUT, Direktor des CNAM. Moderiert wurde die Veranstaltung von Christophe LANGENBRINK, Journalist aus Luxemburg.

Maarit NYMAN stellte die Ziele einer EU-Politik für KMU dar und ging dann näher auf die konkreten Instrumente der Umsetzung ein: das Enterpreise Europe Network,  der „Small Business Act“, die Start-Up- und Scale-Up-Initiative und das Programm zur Förderung der Wettbewerbsfähigkeit von KMU in der EU (COSME). Dabei unterstrich sie vor allem die Wichtigkeit einer Vernetzung der betreffenden Akteure und der Harmonisierung der Regeln innerhalb der EU.

Véronique WILLEMS rief dazu auf, die KMU in besonderer Weise in der EU-Gesetzgebung zu berücksichtigen. In diesem Sinne sei es notwendig von einem „Think small first“ zu einem „Act small first“ zu gelangen. Dabei hob sie drei Punkte besonders hervor: die Aufnahme einer KMU-Strategie in die Agenda der EU, die Förderung der Ausbildung im Unternehmens- und Handwerksbereich und den Umweltschutz.

Lex DELLES beschrieb die Digitalisierung gerade im unternehmerischen Kontext als Chance und Notwendigkeit. Auf der Basis des „Small business act“ der Europäischen Kommission befürwortete er zudem einen europäischen Aktionsplan für KMU und ein Unternehmertum der „zweiten Chance“.

Liliane LIND unterstrich die Wichtigkeit der Kleinstunternehmen innerhalb der EU – Zwei Drittel der Gesamtzahl der europäischen Unternehmen seinen darunter zu zählen. So habe der Interregionale Rat den Anspruch, auf handwerksspezifische Bedürfnisse einzugehen und handwerkliche Interessen auf regionaler, nationaler sowie europäischer Ebene zu vertreten.

An der anschließenden Podiumsdiskussion nahmen Sébastien STEFFENS, Präsident des jungen Handwerks Luxemburg, Kai LEONHARDT, 1. Vorsitzender des Forum Junges Handwerk, Helmut ZIMMER, Vorsitzender des Handwerkerforums Saarbrücken, Anne BACK, Mitglied der CMA Moselle Metz, Maarit NYMAN der GD Grow der Europäischen Kommission und Guy KECKHUT, Direktor der CNAM Nancy, teil. Es wurde unter anderem deutlich, dass die Unternehmensrealitäten stärker in den Fokus genommen werden sollten. Bürokratischer Aufwand hinsichtlich Gesetzgebung oder Fördermitteln sei gerade für Kleinstunternehmen oft nur schwer zu bewältigen. Innerhalb der EU-Politik gelte es folglich, eine Balance zu finden zwischen Harmonisierungsnotwendigkeit und der Möglichkeit von Ausnahmeregelungen.

Das Handwerk sagt „JA“ zu Europa! Trotz aller Schwierigkeiten sind die KMU des Handwerks dazu bereit, sich für Europa zu engagieren und eine gemeinsame Vision zu unterstützen. Dafür sollte die EU sich in Zukunft in besonderer Weise für die KMU einsetzen.

Auf dem Foto: Maarit NYMAN (DG Grow, Europäische Kommission)

Photo Credit: Marie De DECKER