Plenarversammlung des WSAGR

Am 11. Mai 2016 veranstalteten die Sozialpartner der Großregion auf Einladung des griechischen Präsidenten der europäischen Sozialpartner Georges Dassis ihre 3. Vollversammlung unter wallonischem Vorsitz in Brüssel.

Der Vorsitzende des WSAGR (Wirtschafts- und Sozialausschuss der Großregion), Philippe Ledent meinte dazu, dass „es eine große Ehre ist, im EWSA empfangen zu werden, sowie ein Beweis für die Anerkennung unserer Arbeit“.

In seiner Rede erzählte Georges Dassis von seinem Schicksal als politischer Flüchtling während der griechischen Militärdiktatur 1967. In diesem Zusammenhang erwähnte er auch die Solidarität, die er als politischer Flüchtling von Seiten derer erfuhr, die er als seine „belgischen, französischen, italienischen, deutschen, skandinavischen … Gewerkschaftsfreunde“ bezeichnet. Aufgrund seiner persönlichen Geschichte ist er davon überzeugt, wie wichtig die europäische Integration für den Frieden ist. In seinem Programm für die Präsidentschaft des EWSA schlug Georges Dassis vor, dass Europa sich „in erster Linie […] um die Bekämpfung extremer Armut kümmert und in Arbeitsplätze für junge Menschen sowie Infrastruktur-, Forschungs- und Innovationsprojekte investiert“.

Der für die Großregion zuständige wallonische Minister wies auf die Entwicklung der verschiedenen laufenden Vorhaben im Bereich Tourismus, Sicherheit, Mobilität, Berufsausbildung usw. unter der wallonischen Präsidentschaft hin.

Plan für die Industrie in der Großregion

Diesem Plan liegt die feste Überzeugung zugrunde, dass der Niedergang der Industrie in einigen Regionen keineswegs unabwendbar ist. Die gegenseitige Ergänzung der verschiedenen Gebiete in der Großregion sowie die Industriepläne in Deutschland (Industrie 4.0), Belgien (Made Different), Frankreich (Produire en France) und Luxemburg (RIFKIN-Plan) zeigen, was alles unternommen wird, um entsprechende Rahmenbedingungen für eine innovative und leistungsfähige Industrie in einem weltweit außerordentlich starken Wettbewerb zu schaffen.

Philippe Ledent berichtete über den Fortgang der Arbeiten der Sozialpartner hinsichtlich der Umstrukturierung des verarbeitenden Gewerbes in der Großregion. Die Veranstaltung endete mit einer hoch geschätzten Rede von Jacques Crahay, CEO von COSUCRA – Groupe Warcoing SA und Präsident des Wettbewerbsclusters WAGRALIM. Er erläuterte seine Vision für das Management in der Industrie in den nächsten Jahren, das partizipativer und holokratischer sein und stärker auf die Bedürfnisse der Industrie und die Erwartungen der Mitarbeiter eingehen soll.

Runder Tisch zum Sozialdumping

Arbeitgeber- und Gewerkschaftsvertreter aus den verschiedenen Teilen der Großregion beurteilten die Entwicklung beim Sozialdumping. Nach ihrer Ansicht ist dies in erster Linie ein Problem innerhalb der Europäischen Union. Die Lohnkosten in der EU variierten 2015 von eins zu zehn und reichten von 3,7 Euro in Bulgarien bis 40,1 Euro in Schweden. Innerhalb der Großregion gibt es durchaus Unterschiede, bei denen ebenso steuerliche und steuerähnliche Aufwendungen zu berücksichtigen sind.

Die Sozialpartner sprachen ebenso die Krise der europäischen Stahlindustrie an, die unter der unlauteren, staatlich geförderten Konkurrenz aus China leidet. Für eine Fortsetzung der Gespräche in den kommenden Monaten sprachen sich alle einhellig aus. Als Fazit des Runden Tischs wies der Vorsitzende Philippe Ledent erneut darauf hin, dass es kein Wunderheilmittel gegen Dumping gibt, sondern im sozialen Bereich, in der Politik usw. individuelle Lösungen zu prüfen sind.

Abschließend ist festzustellen, dass trotz einer Grundsatzvereinbarung der europäischen Institutionen zur Entsendung von Arbeitnehmern in Europa dieser Kompromiss bei der Bekämpfung von Missständen aufgrund des Lohngefälles letztlich keine allzu großen Änderungen herbeiführen wird.